Erste Passivhäuser
der Stadt Nürnberg

Vier Doppelhaushälften im Passivhausstandard entstehen im Nürnberger Norden 

 
 

Ende September war Spatenstich. Bereits einen Monat später steht für zwei der vier Doppelhaushälften der Rohbau. Damit wird das Modellprojekt der Lokalen Agenda 21 Wirklichkeit. Mitglieder des Runden Tisches „Ökologische Stadtplanung“ hatten rund ein Jahr lang am Konzept für ein Passivhausmodell gefeilt und in diesem Sommer die Umsetzung vorangetrieben. Nun entstehen in der Prälat-Nicol-Straße im Nürnberger Stadtteil Wetzendorf vier Doppelhaushälften im Passivhausstandard. Die Anforderung bei der Konzeption dieser Häuser war anspruchsvoll: Minimalster Energieverbrauch und hoher ökologischer Standard bei der Wirtschaftlichkeit üblicher Bauten.
Der Heizwärmebedarf der Passivhäuser liegt bei jährlich 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche. Sie brauchen damit etwa 85 Prozent weniger Heize-nergie als es die derzeit gültige Wärmeschutzverordnung von 1995 gestattet. Danach dürfen Neubauten nämlich bis maximal 100 Kilowattstunden Heizenergie pro Quadratmeter Wohnfläche verbrauchen. Die Beheizung erfolgt über Erdgasbrennwerttechnik in Verbindung mit einer Solaranlage. Außer für die Raumwär-me wird auch der Energiebedarf für Brauchwassererwärmung auf ein Mindestmaß reduziert. Insgesamt wird so - dank ausgeklügelter Bauweise und Haustechnik - jede der vier Doppelhaushälften pro Jahr knapp zwei Tonnen des klimarelevanten Kohlendioxides (CO2) einsparen und damit einen Beitrag zum Kli-maschutz leisten.
Nach den Berechnungen der Arbeitsgruppe sind die monatlichen Kosten für die Finanzierung und den Betrieb des Gebäudes sogar niedriger als für ein Stan-dardgebäude. Die Mehrkosten beim Bau werden durch die sehr niedrigen Energiekosten und die zu erwartende öffentliche Förderung aufgefangen. In Nürnberg wird der Bau von Niedrigenergie- und Passivhäusern mit dem CO2-Minderungs-programm gefördert. Außerdem gibt es bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Frankfurt ein Förderprogramm. Auch steuerliche Vorteile können genutzt werden. Die Kosten für Grundstück und Haus liegen je nach Ausstattung komplett bei maximal 685 000 Mark.

Mit Know-how geplant

In das Projekt, das als Agenda 21-Projekt vom Umweltreferat der Stadt Nürnberg unterstützt wird, haben neben dem Nürnberger Architekten Burkhard Schulze-Darup und der Architektin Waltraud Feyrer auch die EWAG Energie- und Wasserversorgung AG, die Landesgewerbeanstalt und die EnergieAgentur Mittelfranken e. V. ihr Fachwissen eingebracht. Es wird auch weiterhin von der Agen-da-21-Gruppe betreut. So werden LGA und EWAG beispielsweise in Langzeitmessungen den Energieverbrauch und die Luftqualität der vier Wohneinheiten untersuchen. Die Arbeitsgruppe will durch den Bau der Passivhäuser Know-how für Architekten, Stadtplaner, Handwerker und Bauherren aufbauen und ihnen belegbare Daten zur Verfügung stellen.